Leitmotiv zum EMOP Berlin

Common Ground. Letters from Europe

Europa ist kein fester Grund, sondern eine gemeinsame Frage. Common Ground fragt nach dem, was wir teilen, verlieren, behaupten und neu aushandeln. Letters from Europe öffnet dafür die Form des Briefes: persönlich, vielstimmig, offen. Der EMOP Berlin 2027 ist eine Einladung, mit Bildern an einem gemeinsamen europäischen Raum mitzuschreiben.

Mit Common Ground. Letters from Europe rückt der EMOP Berlin 2027 die Frage nach den Voraussetzungen des Gemeinsamen ins Zentrum. Wo erleben wir Formen des Miteinanders, wo werden sie brüchig, wo müssen sie neu verhandelt werden? Und welche Rolle können fotografische Bilder dabei spielen, einen gemeinsamen Raum nicht nur sichtbar, sondern auch vorstellbar zu machen? Für ein Festival, das die europäische Dimension bereits im Titel trägt, bedeutet dieser Themenschwerpunkt zugleich eine Rückbindung an die eigene programmatisch-inhaltliche Verortung.

Common Ground versteht das Gemeinsame nicht als gegebene Einheit oder stabile Identität, sondern als fragilen, kritischen und immer wieder neu auszuhandelnden Anspruch. Der Blick richtet sich auf Orte, Situationen und Beziehungen, in denen sich Nähe, Verantwortung, Solidarität und wechselseitige Bezogenheit artikulieren – ebenso wie auf Momente, in denen Ausschlüsse, Spannungen und gesellschaftliche Bruchlinien sichtbar werden. Europa erscheint dabei nicht allein als geografischer, historischer oder administrativer Raum, sondern als unabgeschlossenes Projekt des Zusammenlebens: als ein Versprechen, das sich im Alltag, in sozialen Beziehungen, in kulturellen Praktiken und in den Bildern und Sprachen, die wir voneinander und miteinander entwerfen, immer wieder neu bewähren muss. 

Fotografie ist in diesem Zusammenhang nicht allein als Medium der Dokumentation zu verstehen, sondern auch als Raum der Imagination. Sie kann Verhältnisse sichtbar machen, Nähe und Distanz erfahrbar werden lassen, Zeug*innenschaft leisten und die Frage offenhalten, wie Zusammenleben möglich ist. Gerade im Blick auf die konflikthafte Vergangenheit und Gegenwart Europas geht es dabei nicht um abschließende Bilder oder einfache Erzählungen, sondern um eine Auseinandersetzung mit Brüchen, Differenzen, Erinnerungen und Verantwortlichkeiten.

Der zweite Teil des Titels vertieft diese Frage in eine Form: Letters from Europe ruft den Brief als adressierte, persönliche und zugleich offene Mitteilung auf. Briefe können berichten, widersprechen, erinnern, warnen, hoffen, Nähe herstellen oder Differenz markieren. In diesem Sinne fragt das Leitmotiv auch danach, welche Botschaften, Bilder und Gegenentwürfe heute aus Europa formuliert werden können – und an wen sie sich richten.

Mit Common Ground. Letters from Europe lädt der EMOP Berlin 2027 Museen, Ausstellungshäuser, kommunale und private Galerien, Projekträume und (Kunst-)Hochschulen ein, eigene Ausstellungsprojekte zum Leitmotiv in den Festivalmonat einzubringen. Im Mittelpunkt stehen so fotografische Arbeiten, die Europa als geteilten, fragilen und immer wieder neu auszuhandelnden Erfahrungsraum befragen: kritisch, widersprüchlich, dokumentarisch und poetisch. Jede beteiligte Ausstellung kann dabei als visuelle Zuschrift verstanden werden – als Beitrag zu der Frage, wie ein gemeinsamer europäischer Raum heute sichtbar, denkbar und gestaltbar wird.